24. August 2014

Singapur: unser Start im kleinsten Land Südostasiens

Nach einem 12-stündigen Flug und keiner einzigen Minute Schlaf kamen wir an, in Singapur. Unserem Tor zu einem Kontinent, der hier, in den sauberen Strassen zwischen den glänzenden Wolkenkratzern, auf den ersten Blick gar nicht so asiatisch wirkt.

 
Die Glasfassaden der modernen Hochhäuser glitzern in der Sonne, der Verkehr fliesst ohne Stau, die Menschenmassen, wie es sie in anderen Grossstädten gibt, fehlen. Dieses charmante Chaos, das wir aus Bangkok kennen, gibt es hier höchstens in Chinatown oder Little India. Singapur scheint aufgeräumt. Bei unseren Spaziergängen abseits der Marina Bay versuchen wir, einen Blick hinter die glitzernden Kulissen der Stadt zu werfen. Und kommen dabei auf fünf Erkenntnisse. 


Viel Geld ermöglicht viel Spass

Dass ein Besuch in Singapur nicht günstig ist, wussten wir. Wir haben trotzdem versucht, die Ausgaben niedrig zu halten. Am ersten Tag war das leicht, da wir schon um 16:00 Uhr todmüde ins Bett fielen, um den verpassten Schlaf der letzten Nacht nachzuholen.
Unser Spaziergang durch das tolle Chinatown am zweiten Tag war
bis auf das chinesische Frühstück aus Reis, Fisch, Huhn und Gemüse für 3 Dollar pro Person kostenlos. Die Gardens by the Bay, den Singapore Flyer und das Marina Bay Sands Hotel schauten wir uns nur von aussen an und sparten damit rund 80 Dollar. Allein um die Aussicht vom Skypark des Luxushotels zu geniessen, sind 22 Dollar Eintritt fällig.
Spielt Geld hingegen keine Rolle, ist Singapur wohl der perfekte Spielplatz für alle Altersklassen. Eine Fahrt mit dem Riesenrad, Shopping in den Luxusboutiquen der Orchard Road, ein Ausflug ins Legoland oder ein Tag im Vergnügungspark auf Sentosa Island
ist man bereit, für seinen Spass zu bezahlen, ist davon auch viel möglich.

Marina Bay Sands Hotel




Traumdestination für Einwanderer

Wer Singapur mit dem Auto in Richtung Malaysia verlässt, muss am Grenzübergang nachweisen, dass der Tank noch zu mindestens 75 % gefüllt ist. Damit will Malaysia sicherstellen, dass die „reichen“ Singapurer nicht nur für günstiges Benzin einreisen. Singapur ist ein wohlhabendes Land und die Bewohner gelten in vielen Nachbarländern als reich ein Gefühl, dass man als Schweizer durchaus kennt. Und genau wie die Schweiz ist auch Singapur ein Traumland für Arbeitsemigranten. Sei es der indonesische Busfahrer, der vor Jahren auf der Suche nach einem besseren Leben aus Jakarta hierher zog, oder der philippinische Tourist, der mir erzählt, dass er in Singapur ist, um seine „future wife“ zu finden: Beide träumen von Wohlstand und guten Arbeitsbedingungen. Beide klagen gleichzeitig über die hohen Lebenskosten. Und ich frage mich, wie nah sie ihrem Traum hier tatsächlich kommen können.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Auf den ersten Blick wirkt Singapur topmodern. Internationale Firmen haben ihren Sitz hier, Hochhäuser säumen die Strassen, das Verkehrskonzept ist perfekt durchgeplant, riesige, klimatisierte Einkaufszentren locken zum Geldausgeben, Konsum und Kapitalismus sind allgegenwärtig. Erst bei genauerem Betrachten fällt auf, dass vieles in Singapur nicht mit dem rasanten wirtschaftlichen Fortschritt mithalten kann. Zum Beispiel werden bei einem Verstoss gegen eines der vielen Verbote heute noch Körperstrafen angewendet. Wird jemand mit Drogen erwischt, droht ihm gar die Todesstrafe durch Erhängen. Verboten sind ausserdem bestimmte sexuelle Praktiken, unter anderem Homosexualität. Und ein Punkt, der uns besonders verblüfft hat: Wer sich im Land niederlassen möchte, muss einen negativen HIV-Test vorweisen können. Erkrankt ein Ausländer in Singapur an HIV, wird er ausgewiesen. Immer wieder erstaunlich, wie eng Diskriminierung und soziale Ungleichheit mit Wachstum und Fortschritt einhergehen können.

Ein ungeschönter Blick auf die Baustelllen der Stadt
 



Sauberkeit und Sicherheit dank Überregulierung

Für die zahlreichen für unsere Wahrnehmung teilweise lächerlichen Verbote und Gebote ist Singapur bekannt. Wird man zum Beispiel beim Trinken in den Stationen und Zügen des MRT-Netzes erwischt, winkt eine Busse von 500 Dollar. Betteln ist verboten, Kaugummi darf nur mit ärztlichem Rezept gekauft werden und Lügen wird offiziell als Betrugsdelikt behandelt. Hohe Strafen zwingen die Bewohner zu Gehorsam. Und sie scheinen ihre präventive Wirkung nicht zu verfehlen: Singapur gehört zu den sichersten Städten der Welt.
Gleichzeitig fällt uns auf, dass viele Wohnhäuser in der ganzen Stadt eingezäunt sind und teilweise von Wachmännern rund um die Uhr bewacht werden. Und wir fragen uns: Warum müssen Gebäude in einer Stadt, die zu den sichersten der Welt gehört, durch Zäune geschützt werden?


Das lebendige Chinatown: ein erfrischender Kontrast zu den neuen Geschäftsvierteln
 


Neu, künstlich, teuer: langweilig?

Die Stadt feierte Anfang August ihren 49. Geburtstag. Kein Wunder also, sind auch die Bauten noch relativ neu. Und es werden stetig mehr. Überall stehen Kräne, überall entstehen neue Wohn- und Geschäftshäuser. Vor kurzem wurden die Gardens by the Bay fertiggestellt: ein grosses Parkgelände, angelegt auf künstlich aufgeschüttetem Land, mit künstlichen „Super Trees“ und verschiedenen Hallen mit Blumen und sonstigen Gewächsen. Jeden Abend gibt es eine spektakuläre Lichtshow, genau wie vor dem Marina Bay Sands Hotel. 
Nicht, dass dies alles nicht schön und beeindruckend wäre. Wir können auch durchaus verstehen, dass die Stadt eine gewisse Faszination ausüben kann. Auf uns macht sie jedoch den Eindruck, überall irgendwie grösser, bunter, eindrucksvoller als andere Städte sein zu müssen. Deshalb bekommt sie von uns Punkteabzug in der Kategorie Charme. Bei all dem Neuen, Teuren und Glanzvollen kommen wir letzten Endes sogar zum Schluss: Singapur ist wahrscheinlich zu neu und zu künstlich, um bei uns wirkliches Interesse zu wecken.



Super Trees in den Gardens by the Bay
 

Kommentare:

  1. Unglaublich wieviele Erkenntniss ihr in nur zwei Tagen Singapur gewonnen habt.
    Aber ich kann euch verstehen. Ich hab da nämlich spioniert!!! :) Google Street View sei dank, hehehe. So bin ich auch ein bisschen in Singapur spazieren gegangen, geschützt vor all den Vorschriften und Gesetzen, mit der Hoffnung, euch näher zu sein. Hat sogar geklappt, ich muss euch zustimmen und sage auch, Singapur ist sehr schnell langweilig. Woran das bei mir gelegen hat, sei dahin gestellt. ;)
    Ich freue mich riesig über eure Beiträge und danke euch dass ich so an eurer Reise durch die Welt teilnehmen darf.

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    1. Du dörfsch üs also jederziit gern hinterher spioniere. Schön z'wüssä, dassd du so amigs mit üs a dä verschidene Orte bisch. Im Moment simmer übrigens in Melaka ;-)
      Gnüss dini Ferie & bis bald. :-*

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  2. Melaka chani leider nid usspioniere, wetti viellicht aber au gar nid, wenn det so heiss und füächt isch.... :P Also gnüssends ohni mini Adlerauge! ;) <3

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  3. Räge, Räge, Kälti eifach pfui. Zum Glück gits eure Blogg und so chan i doch wenigschtens anhand eurer Bricht und schöne Fotis in dä Wärmi und chli bi eu si. Freu mi scho uf di nächscht Iträgig und uf die spannende Kommentare. Meh cha no so einiges lerne ;-) Probiers jetzt wie'd Daniela und suechs mol Melaka im Google View. Bis bald

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