13. September 2014

English Tea & Dschungeltrekking im Hochland

Genau wie einst die britischen Kolonialherren freuen nun wir uns über die kühle, saubere Luft, die uns in den Cameron Highlands empfängt. Wir sind gespannt auf schöne Aussichten und Wanderungen durch den Regenwald. Und lassen uns gerne anstecken von der Begeisterung mancher Einheimischer für ihren Dschungel.

 „Hi, hello, welcome to Malaysia“, ruft uns ein junger Mann aus einem vorbeifahrenden Auto zu. Nachdem eine unserer ersten Begegnungen in Melaka diejenige mit einer Ratte war, ist die Begrüssung hier in Tanah Rata eine richtige Wohltat. Als wir aus dem mal wieder viel zu stark klimatisierten Bus aussteigen, können wir den Pulli gleich anbehalten es ist kühl. Während ich mich darüber freue, 100 Meter gehen zu können, ohne dass mir gleich die Schweissperlen im Gesicht stehen, friert Samir bereits.
Die Durchschnittstemperatur beträgt hier oben, auf knapp 1500 m, 18°C.  Deshalb waren die Cameron Highlands während der britischen Kolonialzeit ein beliebtes Ausflugsziel der hitzegeplagten Engländer aus dem malaysischen Tiefland. Noch heute ist das Gebiet bei Einheimischen aufgrund seines Klimas ein beliebtes Ausflugsziel: Pünktlich am Freitagnachmittag wird Tanah Rata von einer Blechlawine überrollt. Wer dann mit dem Auto unterwegs ist, braucht viel Geduld oder jemanden, der eine Abkürzung kennt das haben wir am eigenen Leib erfahren.

Uns hat es selbstverständlich nicht nur des milden Klimas wegen hierher verschlagen. Vielmehr haben uns die Teeplantagen und Wandermöglichkeiten angelockt. Wir machen uns also gleich auf, den Dschungel zu erkunden, starten auf Trail Nr. 4 und arbeiten uns langsam ein wenig tiefer in den Wald vor. Der Weg ist zu Beginn für unseren Geschmack zu einfach, zu sehr ausgebaut. Das ändert sich zum Glück mit der Zeit, bis selbst die Wegweiser sofern vorhanden nicht mehr lesbar sind. Die wenigen Wanderer, die uns entgegenkommen, fragen uns, woher wir gekommen sind. Niemand weiss so genau, welchen Weg er nehmen muss. Wir wollen auf einen Aussichtsturm und nehmen an, dass wir ihn verpasst haben, als wir ihn nicht finden. Erst auf dem Rückweg stolpern wir über den Wegweiser „watch tower“. Darunter steht handgeschrieben: „not anymore, has fallen down“. Alles klar.

Von schwarz bis weiss: das Geheimnis des Tees

Neben dem Dschungel besuchen wir die Teeplantagen der beiden Produzenten BOH und Cameron Valley Tea, wo sich für uns atemberaubend schöne Aussichten eröffnen. Wir beobachten Teepflücker bei der Arbeit und lernen, dass Schwarztee, Grüntee, chinesischer Oolong-Tee und der exklusive weisse Tee bei dem die frischen Blätter von Hand gepflückt werden aus ein und derselben Pflanze hergestellt werden. Erst die Verarbeitung macht den Unterschied. Die traditionelle Produktion von Schwarztee durchläuft fünf Stufen: Zuerst werden die Teeblätter einige Stunden zum Welken liegengelassen, damit sie weich werden. Danach werden sie gerollt, wodurch sich ätherische Öle freisetzen. Als nächstes werden sie nach ihrer Qualität sortiert. Darauf folgt die Oxidation oder Fermentation und zum Schluss werden die Blätter getrocknet. Bei grünem und weissem Tee findet keine gewollte Oxidation statt, während der Oolong-Tee halbfermentiert ist.

Ausserdem wird uns erklärt, dass die optimale Höhenlage für den Teeanbau rund 2000 m beträgt: Auf dieser Höhe sollen sich die Tannine optimal entwickeln können. Die Qualität der einzelnen Blätter wiederum hängt von ihrer Stellung am Zweig ab: Je höher, desto besser. Wir probieren Orange Pekoe: Blätter der zweitobersten Knospe. Schmeckt für uns nach Schwarztee. Aber das ist wohl wie beim Wein: Nur ein Kenner kann die gute Qualität wirklich schätzen. Viel interessanter sind für uns sowieso die tollen Blicke auf die Teeplantagen und die Tatsache, dass die Teepflanze
die Camellia sinensis zu einem richtigen Baum heranwachsen kann, wenn sie nicht gestutzt wird.

Begegnungen in den Highlands

Neben der Landschaft bleiben uns auch die Menschen in Tanah Rata in Erinnerung. Menschen, die laut Jay, der Inhaberin unseres Guesthouses, ein bisschen anders sind als im Rest des Landes. Ein bisschen langsamer, gemütlicher. Sie selbst habe sich erst an dieses langsamere Tempo gewöhnen müssen, als sie vor 30 Jahren als Polizistin aus Kuala Lumpur hierher kam.

Auf zwei Touren in die Umgebung lernen wir auch zwei Männer kennen, deren Herzen leidenschaftlich für den Wald schlagen. Raju führt uns durch den „mossy forest“ und redet sich regelrecht in Rage, als er eine von Menschenhand zerstörte Kannenpflanze entdeckt. Touristen und vor allem Einheimische trampeln durch den Regenwald, sagt er, fassen alles an oder reissen Blumen achtlos ab, ohne darüber nachzudenken, dass sie den Lebensraum für Tiere und Pflanzen zerstören. An jedem Tag gehe ein bisschen mehr von dem Wald kaputt, während das Forestry Department zuschaue und Tee trinke. Den Malaysiern gehe es noch zu gut, meint Raju.


Zwei Tage später nimmt uns Jason mit auf eine Wanderung auf den Gunung Jasar und hinunter ins Cameron Valley. Jason ist eigentlich Umweltrechtler und geht mit Touristen wandern, um ihnen die zentrale Rolle des Regenwalds vor Augen zu führen. Sechs Stunden sind wir mit ihm unterwegs, klettern über Wurzeln und Steine den Berg hinauf, erhalten allerlei spannende Informationen über die ansässige Flora. Vor kurzem hat Jason hier im Wald, in dem er seit seiner Kindheit unterwegs ist, eine als ausgestorben geltende Orchideenart entdeckt. Er steckt uns an mit seiner Begeisterung und macht uns nachdenklich, als er erzählt, dass die Temperatur in den Cameron Highlands in den letzten zehn Jahren um 4°C gestiegen ist.

Es sind Menschen wie Jason, Raju oder Jay, mit der ich an unserem letzten Abend zusammensitze und plaudere, die dafür verantwortlich sind, dass die Cameron Highlands ein Highlight für uns sind. Hier vergessen wir den Alltag, fahren unser eigenes Tempo herunter, kommen auf der Reise an. Bei der Verabschiedung umarmt uns Jay und schenkt uns eine Avocado
und wir verlassen diesen Ort zufrieden, mit vielen neuen Eindrücken und wertvollen Erfahrungen.




Kommentare:

  1. Schön, da langsame Tempo und diä schöne Wälder chömend mir bekannt vor!! ;) Isch für eu ja nid so schwierig gsi, zum au en Gang zrugschalte, oder?!
    Wie viel Hektar hät diä Teeplantage? Da isch ja riesig....

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    1. Du fragsch Sache... :-) Also, BOH Tea Plantation hät uf insgesamt 1200 Hektar Land Tee apflanzt. Das ufem Bild isch natürlich nur en chliine Teil devo. Sie produziered mit dene 1200 Hektar gnueg Tee für täglich öppe 5,5 Millione Tasse. Isch also scho no gross...

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  2. Ohh, das sieht wunderschön aus, diese grünen Teefelder! Lustig, wir waren am letzten Sonntag im Tropenhaus und haben genau solche Teebüsche gesehen, kommt mir irgendwie bekannt vor ;-) denn auch in Tansania sind wir an solchen Teeplantagen vorbeigefahren und konnten uns fast nicht sattsehen daran... Es ist immer spannend euch auf eurem Weg zu "verfolgen" ;-) Dankä vilmol für diä super Bilder! und diä informative Uusfüerigä derzue :-) M.B. ;-)
    PS: Wie bringe ich meinen Namen in den Kommentar? Ich kann nur "Anonym" eingeben, ich habe ja keine Homepage...

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    1. Ihr geht also trotz dem schönen Herbst ins Tropenhaus. Wir sind ständig im Tropenhaus und gehen ab und zu in die Klimahäuser. Denn neben Moscheen, buddhistischen und hinduistischen Tempeln sind auch die Konsumtempel hierzulande gut vertreten und sehr gut besucht. Und überhaupt nicht nur Touristen freuen sich ab und zu über die etwas geringere Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Einkaufszentrum, um mal wieder zu trocknen.
      Ich hoffe uns gelingt es unsere Eindrücke weiterhin in dieser Weise mit euch zu teilen.
      Tropische Grüsse von uns beiden

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