23. Oktober 2014

Spektakuläre Aussichten in Ostjava

Zwei Vulkane, zwei Nachtwanderungen, ein farbenfroher Sonnenaufgang, ein türkisblauer Kratersee, Schwefelrauch, der in den Augen brennt, und blaue Flammen in der Dunkelheit... Wir staunen immer noch.

Die Nacht war kurz: Um drei Uhr klingelt der Wecker. Warm eingepackt in Pulli, Jacke und Mütze treffen wir um halb vier auf Tina und Shogo, die sich am Abend zuvor entschieden haben, uns zu Fuss zu begleiten. Es ist kalt und still. Der Vollmond, unser einziger Begleiter, leuchtet uns den Weg. Rund eine Stunde wandern wir im Dunkeln stetig bergauf. Auf der anderen Seite des Berges sehen wir unzählige Jeeps, die all die Touristen auf ihren gebuchten Touren zur Aussichtsplattform auf dem Gipfel des Penanjakan fahren. Wir gehen nur bis zum zweiten Aussichtspunkt etwa auf halber Höhe des Bergs. Und hier ist es dann soweit: Mit nur einer Handvoll anderer Menschen geniessen wir in absoluter Stille die Sicht auf die Vulkane und das Sandmeer, als kurz nach fünf Uhr langsam die Sonne aufgeht. Der Anblick überwältigt uns: Nebel schlängelt sich durch die Caldera, die Berge werden in rötliches Licht getaucht, die Stimmung ist friedlich und ein kleines bisschen mystisch. Wir sind beide völlig gebannt und sitzen noch da, als die Sonne schon hoch am Himmel steht und alle anderen längst den Rückweg angetreten haben. 

Ein Blick in den Schlund des Bromo 

Der Bromo ist der Star unter den Vulkanen Ostjavas. Er liegt umgeben vom Sandmeer mitten in der Caldera des Bromo-Tengger-Semeru-Nationalparks, und obwohl er neben dem majestätischen Semeru und dem hübschen Batok eher unscheinbar wirkt, zieht er Massen an Besuchern an. Jeden Tag lassen sich zum Sonnenaufgang Hunderte auf den gegenüberliegenden Gunung Penanjakan und danach zum Krater selbst fahren. Da wir nun absolut keine Lust haben, uns auf der Aussichtsplattform einen guten Patz erkämpfen zu müssen, aber gern zu Fuss unterwegs sind und genug Zeit mitbringen, gehen wir den Touren und damit den Touristenmassen elegant aus dem Weg.

Den Krater selbst besuchen wir deshalb erst am späteren Nachmittag, wieder zu Fuss so umgehen wir auch die relativ hohe Eintrittsgebühr geschickt. Wir spazieren mutterseelenallein durchs staubige Sandmeer, stets die Rauch spuckenden Vulkane vor Augen. Als wir auf dem Bromo stehen und in den Schlund des Kraters schauen, sind wir ein weiteres Mal überwältigt. Denn das ist für uns beide ein erstes Mal: Der Blick in den Krater eines aktiven Vulkans. Irgendwann dreht sich der Wind, der schwefelhaltige Rauch kratzt im Hals und wir verlassen den Kraterrand beeindruckt ob so viel Schönheit an einem einzigen Tag und zufrieden, so viel Zeit mitgebracht zu haben.

Mit Gasmaske in den Ijen-Krater

Kurz nach unserer ersten Begegnung mit einem aktiven Vulkan folgt bereits die zweite, wahrscheinlich noch intensivere Erfahrung. Von Ketapang zum Fuss des Ijen teilen wir uns ein Auto mit Kate und Sarka, die uns beim Bromo über den Weg gelaufen sind. Auch die Wanderung diesmal starten wir bereits um kurz nach zwei machen wir zu viert. Der Weg ist stellenweise zwar sehr steil, aber gut ausgebaut und deshalb doch eher ein Spaziergang. Unterwegs kommen uns bereits die ersten Arbeiter entgegen, die Körbe voller Schwefel auf ihren Schultern tragen. Jahrelang und jeden Tag tragen sie bis zu 100 kg aus dem Krater nach oben und dann den Berg hinunter ins Tal. Dort wird für dieselbe Menge Schwefel 900 Rupien bezahlt rund 7 Rappen. Im Gegensatz zu mehreren ausländischen und einheimischen Touristen, die sich den Arbeitern für ein Foto in den Weg stellen, weichen wir ihnen respektvoll aus. Trotzdem sind wir zügig unterwegs und stehen nach knapp einer Stunde am Kraterrand. Schon von oben sehen wir das blaue Leuchten im Krater wir wollen näher ran. Also setzen wir die Gasmasken auf und gehen runter. In den Krater hinein.

Der heisse Schwefel aus dem Innern des Vulkans entzündet sich an der Luft und lodert dann in blau schimmernden Flammen auf, die nur bei Dunkelheit zu sehen und von dicken Rauchschwaden umgeben sind. Wir haben Glück: Der Wind bläst den Rauch von uns weg, sodass wir freie Sicht haben. Unsere Augen brennen und das Atmen fällt schwer, aber das spielt alles keine Rolle angesichts dieses Spektakels, das es nur hier unten, im Krater des Ijen, und in Island zu sehen gibt.

Kaum sind wir nach einem anstrengenden Aufstieg ausser Atem in der Gasmaske wieder oben angekommen, geht die Sonne auf und wir stehen kurz vor dem nächsten Wow-Erlebnis. Trotz der Vorhersage, es bleibe an diesem Tag trüb, warten wir geduldig und optimistisch darauf, dass sich die Wolken über dem und der Nebel im Krater doch noch lichten. Und dann, für einen kurzen Moment, geben sie den Blick frei auf den sauren, türkisblauen Kratersee Kawah Ijen. Die Aussicht ist grandios und wir sind glücklich, gewartet zu haben. Wir sind glücklich, hier zu sein.
 



Kommentare:

  1. Wunderschön!

    Gruess id farbepracht Mathias

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  2. Unfassbar schön - und wunderschön beschrieben!

    Liebe Grüsse aus dem nebligen Zürich
    Karin

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    1. Danke, Karin. Freut mich, dass rüberkommt, wie schön es war.
      Liebe Grüsse zurück, auch ans ganze Sprachwerk-Team.

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  3. wow hammer Fotos! Freue mich riesig fest für euch, dass ihr so viel tolles erleben dürft! Geniesst es! Liebe Grüsse Nicole

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    1. Vielen Dank. So sehr wir uns auf diese Reise gefreut haben, so sehr freuen wir uns über alles was wir bisher erleben durften.
      Liebe und sonnige Grüsse

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  4. Atemberaubend!! Mag euch das Erlebnis vo Herze gönne! Danka! :)

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    1. Danke au :-) Schön, reisisch du virtuell immer mit üs mit!

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  5. Hallo ihr Zwöi! Die Biuder si ächt wahnsinnig, das macht richtig Lust uf Indonesie! Sone tolle Blog heit dir! Wie geiz öich mittlerwile in Luang Prabang? Liebe Gruess vor Brigitte und em Pierre (vom Crèpes-Stand) :) Faus dr mi Blog möchtet aluege: www.onwindingroads.com

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    1. Hey Brigitte, merci für dä Kommentar. Ja, Indonesie isch definitiv ä Reis wert, da chönder eu scho mal druf freue :-)
      Din Blog luegemer üs uf jede Fall gern a. Wiiterhin ä gueti Reis eu beide!

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