6. Oktober 2014

We love KL

Kuala Lumpur empfängt uns ruhig und freundlich. Wir sind dabei, als das Leben in den Strassen der Stadt langsam erwacht, und sind uns sicher: Morgens um 5 Uhr in einer Grosstadt ankommen ist das perfekte Rezept, um sofort mit ihr warm zu werden.

Es dämmert langsam, die nächtliche Beleuchtung erhellt noch die Fassaden der Gebäude und erst vereinzelt sitzen Menschen in den Cafés am Strassenrand oder widmen sich dem Frühsport. Unser Nachtbus aus Kuala Besut hat uns kurz nach halb fünf Uhr morgens irgendwo in Kuala Lumpur abgesetzt. Die Fahrt war kein Spass: Der Bus war so sehr heruntergekühlt, dass uns nach einiger Zeit die Kniegelenke schmerzten und Schlafen nur schwer möglich war. Ausserdem waren Kakerlaken an Bord. Überall krabbelten sie herum, entlang der Fenster, auf dem Boden, über die Sitze. Ja, Kakerlaken sind nicht gefährlich. Aber sie sind eklig insbesondere wenn du weisst, dass sie mit grosser Wahrscheinlichkeit an dir hoch und runter krabbeln, während du zitternd vor Kälte vor dich hin zu dösen versuchst. Oder wie Samir davon aufwachst, weil eines der Tierchen den Weg in dein Hosenbein gefunden hat.
Als uns der Busfahrer also in aller Frühe in KL ablädt, sind wir entsprechend gerädert. Doch die Stadt ist uns milde gestimmt. Wir lassen die Taxifahrer an der Busstation hinter uns und machen uns zu Fuss auf zu unserer 3 km entfernten Unterkunft, begleitet vom Morgengebet eines Muezzins und mit einer Rast in einem indischen 24-Stunden-Imbiss, in dem wir uns mit Roti Canai stärken. Genau so wollen wir in einer Grossstadt ankommen. Wir mögen Kuala Lumpur von Anfang an.

 

Der Charme im Chaos

Wir hatten nicht nur Gutes über Malaysias Hauptstadt gehört. Aber uns fasziniert die Stadt. Als wir abends auf der Suche nach etwas Essbarem durch Bukit Bintang schlendern, finden wir uns mitten in einem kunterbunten Durch- und Miteinander wieder: Frauen in Ganzkörperverhüllung drängen sich an jungen Hipstern, Touristen, schreienden Kindern, Prostituierten, Mönchen, Musikanten und indischen Strassenverkäufern vorbei. Die Strassen sind unaufgeräumt, laut und voller Leben. Wir staunen und haben das Gefühl, dass in KL, auf engstem Raum, ganz viel von dem zu finden ist, was aus Malaysia „Truly Asia“ macht. Hier erleben wir endlich das, was wir in Singapur vermisst haben: den chaotischen Charme einer asiatischen Metropole.

Und wir geben es zu: Wir geniessen auch die Annehmlichkeiten, die eine Grosstadt zu bieten hat. Wir erholen uns in den Einkaufszentren von der Hitze draussen, trinken guten wenngleich viel zu teuren Kaffee und essen Sushi. Wir wohnen beim Berjaya Times Square neben einem der grössten Einkaufszentren Asiens. Nicht nur unzählige Geschäfte, Kinos und ein Food Court finden darin Platz, sondern auch ein Vergnügungspark mit Achterbahn. Nicht weit entfernt von den klimatisierten Konsumtempeln finden Gläubige sowie müde Grosstädter und Touristen Ruhe in einem der vielen buddhistischen oder hinduistischen Tempel. Tradition und Moderne, Kultur und Konsum, Altbewährtes und Zukunftsträchtiges gehen Hand in Hand in dieser Stadt, die uns in all ihrer Unordnung in ihren Bann gezogen hat.



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