27. November 2014

Inselfeeling auf Indonesisch

Indonesien ist ein Traum für all jene, die sich wie wir von kleinen Inseln und der Unterwasserwelt darum herum angezogen fühlen. Wir haben in den zwei Monaten im Land einige davon besucht und auf einer unser eigenes kleines Paradies gefunden.

Wenn man sich in einem Land befindet, das sich über 14'000 Inseln erstreckt, bietet es sich natürlich an, auf einigen davon kleine Pausen vom Reisen zu machen. Auf drei völlig unterschiedlichen Inseln bzw. Inselgruppen haben wir jeweils rund eine Woche verbracht. Unser Fazit fällt unterschiedlich aus.

Gili: die Touristen-Hochburg

Immer wieder haben wir gehört, wie toll und entspannend es auf den drei Gili-Inseln bei Lombok sein soll. Also nichts wie hin, denken wir uns, dafür nehmen wir sogar eine Höllenfahrt im Nachtbus von Java aus quer durch Bali in Kauf. Wir entscheiden uns für Gili Air, die laut Erzählungen und Reiseführer eine gute Mischung aus Ruhe und Trubel bieten soll. Nun ja. Davon ist zwar beides vorhanden, aber was es vor allem im Überfluss gibt, sind Touristen. Gut, das ist jetzt nicht wirklich überraschend, schliesslich sind die Inseln in den letzten Jahren zu grosser Bekanntheit gelangt. Und eine gute touristische Infrastruktur bringt ja auch Vorteile mit sich: Das Essen ist international und sehr gut und mit den vielen Lounges mit Blick aufs Meer wird für viel Gemütlichkeit gesorgt. Aber Indonesien ist das für uns nicht, und auch von der von uns so geschätzten indonesischen Freundlichkeit ist hier nur ein Bruchteil zu finden. Der Strand ist schmal und stellenweise nur dank Sandsäcken überhaupt noch vorhanden, und zum Schnorcheln müssen wir weit hinaus schwimmen, bis alle toten Korallen hinter uns liegen. Wir lassen für ein paar Tage die Seele baumeln, lesen viel und essen mal wieder Pizza und Tacos. Aber wir sind auch nicht traurig, als es für uns weitergeht.

Togian: das abgeschiedene Paradies

Die Togian-Inseln bei Sulawesi muss man sich verdienen. Drei Tage dauert unsere Anreise aus Rantepao: 13 Stunden im Bus, 6 Stunden im Auto, 2 Übernachtungen irgendwo auf der Strecke und 8 Stunden auf der Fähre brauchen wir, bis wir im Hafen von Malenge ankommen. Der Ausblick auf die vielen kleinen Inselchen ist so malerisch und das Treiben an den Häfen unterwegs so unterhaltsam, dass die Fahrt auf dem Dach der bereits ziemlich antik anmutenden Fähre jedoch wie im Flug vergeht. In einer weiteren knappen Stunde bringt uns ein lautes, klappriges Boot auf die kleine Insel, die wir uns ausgesucht haben. Es ist sechs Uhr und bereits stockfinster. Es leuchten nur die Sterne und das Plankton, das von unserem Boot im Wasser durcheinander gewirbelt wird. Wir sind müde, klebrig und hungrig. Aber wir sind endlich da, in unserem persönlichen Paradies.

Palmen säumen den weissen Strand, dessen Sand den Vergleich mit Puderzucker auf der ganzen Linie verdient. Das Wasser ist glasklar und das Hausriff beheimatet neben Korallengärten und unzähligen Fischen in allen Farben auch eine Schildkröte, Seepferdchen, Hummer und einen Schwarzspitzenriffhai. Nur wenige Meter vom Strand entfernt stehen einfache Holzbungalows auf einer grünen Wiese vor dichtem Dschungel. Jedes der sechs Häuschen verfügt über eine kleine Veranda mit einer wirklich sehr bequemen Hängematte. Die Kokosnüsse von den Palmen und die Papayas vom Baum neben unserem Bungalow schmecken so gut wie nirgends zuvor. Es gibt weder Handy- noch Internet-Empfang, Strom liefert ein Dieselgenerator ab etwa halb sechs bis die letzten Gäste schlafen gehen und das ist hier nicht später als um zehn Uhr. Wir teilen uns die Insel mit einer Handvoll weiterer Gäste, mit denen wir jeweils gemeinsam an einem grossen Tisch die leckeren Mahlzeiten aus frischem Fisch und viel Gemüse geniessen. Am Ende bleiben wir gar als einzige übrig und feiern Samirs Geburtstag allein und in aller Ruhe an unserem Privatstrand. Zum Frühstück gibt es Geburtstagskuchen, den die Managerin extra gebacken hat.

Wir machen nicht viel in dieser Woche, können wegen einer hartnäckigen Erkältung nicht einmal tauchen. Trotzdem vergehen die Tage schnell irgendwie zu schnell. Und als wir abreisen, um noch zwei Tage auf einer anderen Insel des Archipels zu verbringen, bevor wir unsere zweitätige Weiterreise nach Manado in Angriff nehmen, sind wir beide ein wenig wehmütig. Eigentlich sind die Togians einer dieser Orte, über die man mit niemandem sprechen sollte. Der Name unserer kleinen Paradies-Insel wird deshalb auch unser süsses Geheimnis bleiben.

 

Bunaken: der Traum für Taucher

Nach der Woche im Paradies holen uns Manado und Bunaken eher unsanft zurück in die Realität. Während auf den Togians die nächtliche Geräuschkulisse aus dem Rauschen der Wellen und der Tierlaute aus dem Dschungel bestanden hat, werden wir nach unserer ersten Nacht auf Bunaken morgens um 5 Uhr von lauter Musik geweckt. Die Bässe einer Hip-Hop-Version von Jingle Bells wummern vom nahegelegenen Dorf zu unserem Bungalow herüber. Diese zwar alles andere als besinnliche vorweihnachtliche Stimmung und die riesige Kirche im Dorf zeigen auch: Wir sind jetzt im christlichen Teil Indonesiens angelangt. Bereits beim Einkauf im Supermarkt in Manado konnten wir uns kaum verstehen, so laut dröhnten die Weihnachtslieder aus den Lautsprechern.

Aber gut, es kommt eigentlich auch niemand der Ruhe wegen nach Bunaken. Was hier auf die Besucher wartet, zeigt sich erst bei einem Blick unter die Wasseroberfläche dann aber spektakulär: Die Korallen leuchten in rot, blau, pink, violett, grün, neongelb. Unzählige Fische tummeln sich wie in einem vollgestopften Aquarium bereits knapp unter der Oberfläche. Das Riff fällt nach einigen Metern fast senkrecht ab und in der Wand leben allerlei bunte Kreaturen. Wir holen die verpassten Tauchgänge der letzten Woche nach, schweben der Wand rund um die Insel entlang und sind ob all dem Leben dort unten schwer begeistert. Wir sehen riesige Barrakudas, Thunfische und Napoleons aus nächster Nähe, besuchen Röhrenaale und gigantisch grosse Muscheln, finden im farbenfrohen Riff Feuerfische, Hummer, Shrimps, Krebse und ein winziges Seepferdchen. Wenn wir uns von der Wand wegdrehen und den Blick im Blauwasser umherschweifen lassen, können wir beobachten, wie ein Adlerrochen einige Meter unter uns vorbeischwebt oder wie ein Weissspitzen-Riffhai seine Runden dreht. Schildkröten schwimmen bei fast jedem Tauchgang um uns herum, sodass ich bald aufhöre, sie zu zählen. Und dann, wenn es dunkel wird, können wir ein ganz besonderes Spektakel miterleben: Damit sich die Steinkorallen ernähren können, strecken die Polypen ihre Tentakel heraus und fangen das Plankton ein, das aus der Tiefer emporsteigt. Hält man die Taschenlampe darauf, sieht es aus, als würden die Korallen blühen, und die Wand ist mit lauter orangefarbigen und gelben Blüten überzogen, zwischen denen sich Einsiedlerkrebse und Sepien tummeln.
13 Tauchgänge gönnen wir uns rund um Bunaken. Und wir hätten noch viele weitere machen können, ohne uns zu langweilen.


Kommentare:

  1. Wahnsinn sehr schöni momentufnahme!
    Vor allem die wo e Hängematte druf isch ;o)

    Nochträglich Happy Birthday und alles gueti natürlich für euch zwei!

    AE

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    1. Vielen Dank für die Geburtstagswünsche. Es war perfekt.

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  2. Hallo meine zwei Lieben
    ich bin begeistert von den Unterwasserfotos, so ein Traum!
    Hey wann habt ihr euch einen so grossen Hund angeschafft?

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    1. Danke!
      Den Hund, Jungle, hatten wir so ziemlich ab dem Moment, in dem wir die Insel betreten haben. Er hat sich jeden Morgen bei mir eine grosse Portion Streicheleinheiten abgeholt :-)

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  3. Hey ihr zwei Weltenbummler, wow immer wieder atemberaubend eure Abenteuer ein bisschen nachvollziehen zu können! Aber ich will mehr wissen, also so alles das was irgendwo zwischen den Zeilen geschieht =) Saaaaaam, hab dir geschrieben und bis zu diesem Eintrag schon befürchtet ihr habt der technologischen Welt abgeschworen... aber vielleicht nicht angekommen? Meldet euch mal vom nächsten Internetcafe am Strand. Alles Gute und bis daaaaaann! R to the T to the O

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    1. Hallo Filmender
      Danke für die Komplimente. Zwischendenzeileninformationen folgen bald.
      In diesem Sinne, bis bald...

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