21. Dezember 2014

Unterwegs im Land des Lächelns

Die Zeiten, in denen wir die einzigen Touristen im Bus waren, sind vorbei: Wir sind in Thailand angekommen, dem Land, in dem sich junge Backpacker, Partygänger, Honeymooner, Familien, Individual- und Pauschalreisende gleichermassen wohlfühlen.


Auf einmal läuft alles wieder wie automatisch: Über den Transport müssen wir uns keine Gedanken machen, Guesthouses und Hostels sind meist sauber und komfortabel, Restaurants, Bars und Cafés bieten an jeder Ecke leckeres, vielseitiges Essen, frischen Kaffee und Cocktails. Der Preis dafür: Das authentische Thailand zeigt sich uns nicht immer gleich auf den ersten Blick.

Chiang Mai auf in den hohen Norden

Von Manado auf Sulawesi fliegen wir nach Bangkok und zwei Tage später nach Chiang Mai. In den ursprünglichen Norden, dachte ich. Schon kurz nach der Ankunft merken wir jedoch: Der Tourismus hat auch hier schon längt Einzug gehalten. In der Innenstadt von Chiang Mai wimmelt es nur so von blassen, blonden Europäern, Amerikanern, Australiern, die in den vielen Cafés entspannen. Jedes zweite Restaurant wirbt mit „vegan food“ und „organic vegetables“ um Kundschaft, und selbst die Essensstände auf der Strasse scheinen überteuert. Auf unserem Ausflug zum Tempelberg Doi Suthep sind wir gleichermassen schockiert und fasziniert ob der Masse von Menschen, die sich teilweise laut schnatternd durch das Heiligtum drängen.
Aber: Wir finden in einem gemütlichen Café in Chiang Mai das bisher beste Frühstück in vier Monaten, schlendern über beeindruckende Nachtmärkte, trauen uns zum ersten Mal, im Linksverkehr selbst mit dem Roller zu fahren, lernen mit einem Mal viele verschiedene interessante Leute kennen und geniessen feuchtfröhliche Abende auf der Dachterrasse unseres Guesthouses.

Auf einem zweitägigen Trekking ins Hochland bekommen wir schliesslich auch die ländliche Seite des Nordens zu sehen und zu spüren: Während uns unterwegs auf dem steilen Pfad mitten im Dschungel der Schweiss aus allen Poren rinnt, schlottern wir nachts auch dick eingepackt unter der Wolldecke noch vor Kälte, die mit dem Wind durch die vielen Ritzen in die Holzhütte dringt. Die fantastische Aussicht unterwegs macht diese kleineren Strapazen jedoch mehr als wett. Wir wandern durch Reisfelder und dichten Wald, baden in einem kühlen Bach unter einem kleinen Wasserfall und verbringen einen gemütlichen Abend in einem Bergdorf, in dem der Sternenhimmel in der Nacht so klar und überwältigend ist, wie wir ihn noch selten gesehen haben.


Entspannt auf den Inseln

Auf einer Reise durch Thailand ist ein Aufenthalt auf einer Insel im Süden fast schon obligatorisch. Nach zwei mehr oder weniger komfortablen Fahrten in Nachtzügen, einem Tag in Ayutthaya, wo wir die Tempelanlagen ausnahmsweise in einer Power-Sightseeing-Tour besichtigen, und einem erneuten Stopp in Bangkok quartieren wir uns für fünf Tage am Klong Nin Beach auf Ko Lanta ein. Der Strand ist breit und fast leer, gesäumt von bequemen Bars und Restaurants. Wir verbringen ein paar faule Tage am Strand, erkunden auch hier die Unterwasserwelt und geniessen vor allem die gute Gesellschaft, in der wir uns dank unserem Besuch aus der Schweiz und zwei netten Mädels aus Deutschland gerade befinden.

Ko Lanta ist eine hübsche Insel, finden wir, die es aber nicht schafft, uns voll und ganz in ihren Bann zu ziehen. Hat die Inselwelt Indonesiens etwa alle noch kommenden Strände für uns verdorben? Der Vergleich verschiedener Orte und Erfahrungen ist dem intensiven, unvoreingenommenen Empfinden einer Langzeitreise, wie wir sie unternehmen, nicht zuträglich, das ist uns bewusst. Aber im Moment fällt es uns tatsächlich schwer, nicht an den palmengesäumten, einsamen Puderzuckerstrand ohne laute Musik, ja ohne Strom, zurückzudenken.
Auf der Suche nach einer ähnlichen Oase nehmen wir schliesslich die Fähre nach Ko Jum. Hier finden wir zwar Ruhe, schöne Ausblicke und traumhafte Sonnenuntergänge. Aber vielleicht sind wir nach fast vier Monaten zum ersten Mal ein wenig müde, vielleicht haben wir einfach genug von Strand und Meer, vielleicht liegt es an der hiesigen Küche oder an dem Bungalow, der zumindest bei mir keine behaglichen Gefühle auslöst jedenfalls passt Ko Jum aus irgendeinem Grund nicht zu unserer derzeitigen Stimmung, die uns schon zwei Tage später für eine ganze Woche zurück in die Hauptstadt lockt.


Immer wieder Bangkok

In die „Stadt der Engel“ haben wir uns schon 2012 verliebt. Und auch dieses Mal fühlen wir uns in Bangkok sofort so wohl, dass wir nun bereits zum dritten Mal dieses Jahr hier Halt machen. Von anderen Reisenden ernten wir häufig ein ungläubiges Lächeln, wenn wir erklären, wie gern wir in Bangkok sind, und dies gewiss nicht (nur) wegen der guten Shoppingmöglichkeiten, für die unser Rucksack ja ohnehin nicht gerüstet wäre. Ja, die Stadt ist gross, laut, voll, der Verkehr oft mühsam und die Luft mit Sicherheit nicht die sauberste. Aber für uns repräsentiert Bangkok eben genau das, was wir bereits an Kuala Lumpur so gern mochten und in Singapur schmerzlich vermissten: die spannende und berauschende Unordnung der asiatischen Grossstadt.


Auf einem Spaziergang durch Chinatown offenbart sich das Leben der Menschen in den dicht gedrängten Gassen. Überall stehen Garküchen oder Stände mit Fruchtsäften, es riecht den ganzen Tag nach Knoblauch und gegrilltem Fleisch, Kinder rennen herum, Männer schweissen und hämmern auf Metallteilen. Zahlreiche kleine Geisterhäuschen in den Hauseingängen sollen die Bewohner beschützen. An jeder Ecke stapelt sich vermeintlich nutzloser Schrott, und wir erkennen erst auf den zweiten Blick, dass er dem ganzen Quartier Arbeit gibt. Demgegenüber stehen die gigantischen Einkaufszentren, in denen sich leicht mehrere Stunden, wenn nicht ganze Tage, verbringen lassen und in denen so mancher mit Leichtigkeit in einen Konsumrausch verfallen könnte. Einen weiteren Kontrast erleben wir in Bang Krachao, auf der anderen Seite des grossen Flusses: Wir radeln mit dem Fahrrad stundenlang fast völlig allein auf engen Strässchen durch kleine Dörfer und Parks in der „grünen Lunge Bangkoks“, machen Pause beim schwimmenden Markt und fühlen uns endlich angekommen, in dem Thailand, das wir gesucht haben.


Wenn wir ohne Plan und Ziel durch die Strassen Bangkoks schlendern, finden wir immer wieder Orte, die uns überraschen. So gelangen wir zufällig zu einem winzigen Pier an einem Nebenfluss des grossen Chao Phraya, nur ein paar Minuten von der Glitzerwelt des Siam Square entfernt. Hier steigen wir in ein wackliges Boot und werden auf der rasanten Fahrt inmitten von Einheimischen mit dreckigem Wasser aus dem Kanal angespritzt. Die Dunkelheit und die Tatsache, dass wir nicht genau wissen, wohin uns das Boot bringen wird, lassen die Szenerie auf bezaubernde Weise surreal erscheinen. Es sind solche Momente, die uns in Erinnerung bleiben werden. Und Bangkok bietet davon eine ganze Menge.





1 Kommentar:

  1. Ja meine Lieben, jetzt weiss ich nicht, ob ihr meinen ersten Eintrag erhalten habt. Es gab eine Unterbrechung im Netzt als ich ihn senden wollte. Also nocheinmal von Vorne.
    Habt ihr eure Niederlassung nach der Reise etwa gefunden in Bankok?
    Nach eurer Erzählung und Bildern könnte ich das verstehen. Ist alles so verlockend anders und lebendig. Anscheinend auch in kurzer Zeit die Möglichkeit sich in der "unberührten" Natur zu bewegen.
    Habe mir spontan gedacht über die Festtage nach Bankok zu fliegen, habe ja jetzt einen Pass ;-)
    Aber ihr seid ja bereits weitergezogen und so wäre ich ja ganz alleine und ohne Reiseleitung. Also zerre ich weiter von euren Berichten und Fotos und freue mich ganz fest auf den Sommer.
    Alles Liebe Mambo

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