9. Januar 2015

Die Zeit steht still in Kampot

Es gibt Orte auf dieser Welt, die einen ganz besonderen Zauber ausstrahlen. Einen solchen Ort zu finden, ist schön — da zu bleiben, noch schöner. Es ist ein Luxus, den wir dank der vielen Zeit in unserem Gepäck geniessen dürfen. Und wir kosten ihn voll aus.

Ein neues Land, ein neues Ziel, eine neue Umgebung, die es zu erkunden gibt: Mit jedem Mal ist es wieder spannend und aufregend, sich darauf einzulassen und die fremden Eindrücke aufzusaugen. Aber ebenso toll ist es, inmitten dieser Erkundungen innezuhalten, den Moment einzufrieren. So sitzen wir nun, wie schon die Tage zuvor, in Kampot auf einer Veranda hoch über dem Fluss und schauen hinab auf das dunkelgrüne Wasser, das ruhig und beständig durch eine malerische Kulisse aus sattem Grün fliesst. Die Sonne scheint, der Wind hinterlässt auf unserer Haut ein angenehm kühles Kitzeln und in den Blättern der Bäume sein Rauschen. Ab und zu unterbricht das Krähen eines Hahns in der Nähe die Stille. 

Ich versuche, mir vorzustellen, wie viel Leben es gibt in diesem winzigen Ausschnitt der Erde, auf dem mein Blick ruht. Der Schmetterling, der unter uns seine Runden dreht, die Schlange, die sich im Fluss ihren Weg bahnt, die grünen Pflanzen rundherum — überall ist das Leben zu spüren. Die friedliche, harmonische Stimmung hinterlässt bei uns ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit. Wir brauchen nichts ausser uns selbst und unsere Gedanken, in diesem Moment auf dieser Veranda am Fluss in Kampot.

Wir bleiben lange — und noch länger

Seit dem „Komm, wir schauen einfach mal, wie es ist in Kampot, und wenn es uns nicht gefällt, fahren wir einfach weiter“ sind inzwischen zwei Wochen vergangen. Und wir sind immer noch hier. Unser Visum für Vietnam, das wir — hungrig nach mehr Erlebnissen und Eindrücken — Ende Jahr spontan beantragt haben, läuft schon seit fast einer Woche. Aber wir sind immer noch in Kampot. Immer wieder haben wir den Aufenthalt verlängert, an vier Nächte über Silvester in der Stadt haben wir drei weitere in einem Bungalow am Fluss angehängt. Und auch hier haben wir verlängert — und dann noch einmal. Und jedes Mal haben wir uns von Neuem über die extra Zeit gefreut.

Jeder einzelne Tag wird ausgekostet. Er beginnt entspannt und endet ebenso. Wir sind zur Ruhe gekommen, gönnen unserem Körper wohlverdiente Bewegung an der frischen Luft und unserem Geist eine erholsame Pause nach den vielen Eindrücken der letzten Monate. Ein englischer Backpacker, dem wir von unseren bisherigen Destinationen erzählen, wundert sich darüber, wie langsam wir unterwegs sind. Für uns jedoch ist das der grösste Luxus unserer Reise: bleiben, wo Körper und Geist sich wohlfühlen. Pläne verwerfen und neu schmieden. Den Zauber im Nichtstun entdecken und dabei seinen Gedanken mal wieder ganz genau zuhören. Nichts müssen.

Aufbruch

Irgendwann ist es dann doch soweit: Unser letzter Tag ist gekommen. Sabina, die in der Anlage arbeitet, witzelt, dass sie wohl eine Abschiedsparty für uns schmeissen müsse, weil wir ja inzwischen schon fast zum Inventar gehören. Wir lachen und sind ein wenig wehmütig. Doch unsere Entdeckungsreise geht weiter. Die Lust auf Neues ist wieder entfacht. Und auch wenn wir hier mit einem weinenden Auge wegfahren, so wissen wir doch: Dieser Flecken Erde wird mitsamt dem Gefühl der Zufriedenheit, das er in uns auslöst, einen festen Platz in unserer Erinnerung behalten. 





Kommentare:

  1. Es isch so wunderbar eure Blog zläse und euri Bilder zgseh! Ich chan euri Entspannig fast dur dä Display gspüre! Und es schiiint ja genau es richtige Tempo tsii mit dem ihr reisend, wenn ihr genau diä Entspannig an so beiidruckende Ort chönnd gnüsse und gnüsse und gnüsse....! Freu mi scho druuf, bis ich da es bitzli chan mit eu teile. Guäti Wiiterreis uf Vietnam, ich bin gspannt, wa eu det so erwartet! <3

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  2. Ich wär am liebsten auch dort. Sich auf das nötigste zu reduzieren und mit sich und der Natur fast alleine und im Einklang zu sein, dass könnte ich so gut gebrauchen :-)

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  3. Hallo ihr Zwei! Ihr macht das genau richtig, wenn man so lange unterwegs ist- Reisepausen gehören einfach dazu. Schöne Bilder, vor allem das Dritte gefällt mir :-)

    Liebe Grüße & weiterhin Gute Reise! Aylin

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    1. Danke, Aylin :-) Ja, solche Pausen sind manchmal einfach nötig. Danach ist die Lust am Weiterreisen dafür umso grösser.
      Euch ebenfalls weiterhin gute Reise!

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