23. April 2015

Südostasien in Superlativen

219 Tage. 8 Länder. 50 Orte. 71 verschiedene Betten. 9 Nächte in Bussen, Zügen oder auf Schiffen. Gefühlte drei Millionen besondere Erlebnisse und Begegnungen. Mehr als einmal hat uns Südostasien sprachlos gemacht. Wir verabschieden uns mit Superlativen — denn nichts anderes hat die Region von uns verdient.


Der schönste Strand // Malaysia oder Indonesien? Perhentian Besar oder diese eine Togian-Insel, deren Namen wir wie unseren Schatz hüten? Was wir definitiv wissen: Unser perfekter Strand ist abgelegen, möglichst weit weg von der „Zivilisation“ und vollkommen ruhig. Und vor ihm liegt immer ein Riff, das zum Schnorcheln einlädt.

Die schönste Aussicht // Ganz ohne Zweifel: Den allerschönsten Ausblick boten uns die in das rote Licht der aufgehenden Sonne gehüllten Vulkane im Bromo-Tengger-Semeru-Nationalpark auf Java. Da kann jeder Palmenstrand einpacken.

Das beste Tauchgebiet // Beim ersten Abtauchen in die märchenhaft Welt aus Steilwänden und leuchtend bunten Korallengärten haben wir vor lauter Staunen fast zu Atmen vergessen. Winzige Krebse und Schnecken in den Korallen neben Haien und Rochen auf dem „Highway für Grossfische“
Bunaken ist toll!

Die hässlichste Stadt // Einen Tag lang waren wir gestrandet in einer Stadt, die uns so gar nicht gefallen wollte: Banyuwangi in Ostjava
viel zu heiss, viel zu langweilig. Genauso unschön finden wir Nha Trang. Dem Lieblingsort russischer Pauschaltouris in Vietnam fehlt unserer Meinung nach jeglicher Charme.

Der lauteste Ort // Laut ist es in Südostasien vielerorts: in Restaurants, in Einkaufszentren, auf der Strasse
und in Bussen. Den Musikanlagen sei Dank. Die 13 Stunden im Bus von Rantepao nach Tentena auf Sulawesi waren für unsere Ohren die reinste Tortur. Ich konnte fast spüren, wie sich mein Trommelfell unter Schmerzen krümmte. Indonesische Popmusik ist wirklich, wirklich nichts für uns.

Die längste Anreise // Bus, Auto, Fähre, Longtailboot: Drei Tage waren wir überland in Sulawesi unterwegs, um dieses geheimnisvolle Archipel im Golf von Tomini zu erreichen, die Togian-Inseln. Wir reisten mit den Einheimischen auf kaputten Strassen und sassen acht Stunden auf dem Dach einer Fähre. Es war auch eine der schönsten Anreisen zu einem der schönsten Ziele unserer Reise.

Die schlimmste Busfahrt // Wie ein Verrückter hetzte der Fahrer mitten in der Nacht quer durch Bali, von West nach Ost, von Hafen zu Hafen. Immer wieder sahen wir die Lichter der entgegenkommenden Fahrzeuge auf uns zurasen und kurz vorher ausweichen, wenn der Verrückte in der Kurve überholte. Wir, die einzigen Ausländer im Bus, hatten die vordersten Plätze mit der „besten“ Aussicht bekommen. Einige der Frauen im Bus wimmerten und beteten zu Allah. Schlafen? Ja, als wir dann endlich umsteigen durften.

Die schönste Bootsfahrt // Sechs Stunden lang auf einer schmalen Holzbank in einem wackligen Boot zu sitzen, kann wirklich schön sein. Zumindest, wenn dieses Boot auf dem Nam Ou durch die bezaubernde nordlaotische Idylle von Muang Khua nach Nong Kiao schippert. Dann könnte man sogar nochmals sechs Stunden anhängen.

Die abenteuerlichste Bootsfahrt // Acht Stunden auf einer antik anmutenden Fähre mit „Rettungsbooten“, die nicht den Eindruck machen, ihrem Namen entsprechen zu können. Allein unter einer Meute von Menschen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht schwimmen können. Und schliesslich eine Stunde im wackligen Holzboot durch die stockfinstere Nacht, begleitet vom leuchtenden Plankton im Wasser. Alles ganz normal auf Sulawesi.



Die unbequemste Fahrt // Jeder noch so kleine freie Platz scheint in südostasiatischen Bussen genutzt zu werden. So kam es, dass im Minibus von Dien Bien Phu über die Grenze nach Muang Khua mindestens zehn Menschen mehr sassen, als Plätze verfügbar waren. Wohin bloss mit meinen Beinen?

Der schlimmste Sonnenbrand // Acht Stunden auf dem Dach einer Fähre zu verbringen, ist keine gute Idee. Auch nicht, wenn der Himmel bewölkt ist. Und besonders nicht, wenn die Fähre in Äquatornähe unterwegs ist. Danach konnte sogar der vorgebräunte Samir die Haut im Gesicht abschälen.

Die gefährlichsten Tiere // Man könnte ja denken, die Tierwelt auf den Togian-Inseln sei die gefährlichste
immerhin sind wir eben dort einer echten Python begegnet. Doch die wahre Gefahr geht von den kleinen giftigen Tierchen aus, von denen, die man fast nicht sieht. Und davon gab es besonders viele im Wat Kow Tahm auf Koh Phangan: Grüne Schlangen, die sich im Gebüsch tarnten, winzige Skorpione, Spinnen und flinke Tausendfüssler lebten hier mit uns zusammen. Ein Hoch auf das Moskitonetz!

Die meisten Hühner // Laos ist der Bauernhof Südostasiens. Ruhig, gemächlich, ländlich, voller Tiere. Mehr als einmal mussten wir mit voller Kraft auf die Fahrradbremse treten, wenn sich mal wieder eine ganze Hühnerfamilie im letzten Augenblick entschied, doch noch die Strasse zu überqueren.

Die kälteste Nacht // Die Nächte, in denen wir schwitzten, überwogen diejenigen, in denen wir froren, klar. Aber wenn es kalt war, dann so richtig. In Sapa zogen wir sämtliche warme Sachen an, die wir besitzen, inklusive Mütze. Trotzdem: Die Nacht war eisig, so ohne Heizung und mit Temperaturen um den Nullpunkt.

Die wildeste Party // Wer hätte gedacht, dass Silvester in Kambodscha in einer ausufernden Partynacht gipfeln würde? Bis morgens um sechs feierten wir zusammen mit einem uns noch kurz zuvor wildfremden Paar, unseren besten Freunden für die Nacht. Lustig war’s
bis dann der Kater kam.

Die freundlichsten Menschen // Der zehnminütige Fussweg von unserer Wohnung zur Schule in Yogyakarta war uns täglich eine Freude. Die Menschen begegneten uns mit der grösstmöglichen Herzlichkeit, wenn wir in den engen Gassen an ihren Häusern vorbeigingen. Immer entstand ein kurzes Gespräch, immer wurde ein Lächeln ausgetauscht.

Die meisten Touristen // Wo es schön ist, kommen viele Menschen hin. Und die Tempel von Angkor sind besonders schön. Genau wie Luang Prabang. Oder Chiang Mai. Naja, dann gab’s immerhin auch mal wieder guten Kaffee.


Der dümmste Tourist// Es gibt ja Menschen, die sich im Ausland besonders blöd benehmen. Der bärtige Schweizer Hipster, der mit uns ins Boot in Richtung der Perhentian-Inseln stieg, sich lautstark weigerte, eine Schwimmweste anzuziehen, und dann zum Malaysischen Bootsführer „I have more money than you“ sagte, gehört definitiv zu diesen Menschen.

Die längste Zeit ohne Internet // Als moderne Reisende in modernen Zeiten sind wir natürlich immer wieder auf der Suche nach anständigem WiFi. Aber wir geniessen auch die Zeiten, in denen wir absolut unvernetzt sind. Wie die acht Tage ohne jeglichen Empfang auf den Togian-Inseln. Oder die ebenfalls acht Tage im thailändischen Kloster, in dem wir Handy und Computer abgegeben hatten. Die Welt drehte sich weiter.

Das lauteste Gehupe // Warum Verkehrsregeln beachten, wenn man sich seinen Vortritt auch einfach erhupen kann? Da wir bezweifeln, dass dies wirklich funktioniert, waren wir in Hanoi stets bedacht, den hupenden Rasern möglichst aus dem Weg zu gehen. Nun ja, entspannend sind die Stadtspaziergänge hier nicht.

Die kurvenreichste Strasse // 762 Kurven, so sagt man, trennen Chiang Mai von Pai. Auf dieser Strecke ist ein starker Magen gefragt.

Das beste Essen // Amok in Kambodscha, Tom Kha Gai oder Pad Thai in Thailand, Som Tam in Laos, Saté in Indonesien
Südostasien ist das reinste Schlaraffenland. Nie vergessen werden wir das grandios gute Bun Bo mit den vielen frischen Kräutern in diesem kleinen Laden in Hanoi. Und natürlich Malaysia: das umwerfende chinesische Curry in Penang, Roti Canai am frühen Morgen in Kuala Lumpur, Garlic Naan und Teh Tarik in den Cameron Highlands. Lecker!

Das billigste Essen // Weniger als zwei Franken zahlten wir in dem kleinen Restaurant, in dem man auf dem Boden sitzend isst, nahe unserer Wohnung in Yogyakarta. Für uns beide. Mit Getränken. Na gut, es war immer nur Nasi Goreng mit Huhn oder Ei. Aber wir wurden satt. Abwechslung wäre teurer gewesen.

Das ekligste Essen // Jaja, ekliges Essen gibt es eigentlich nicht, schon klar. Denn was wir nicht mögen, essen die Menschen hier ganz gern: Durian. Aber ganz ehrlich: Man nennt sie ja schon Stinkfrucht...

Der traurigste Tag // In Ländern mit einer schlimmen Geschichte sind manche Tage gefüllt mit bedrückenden Erlebnissen. Unabsichtlich wurde der erste Weihnachtstag in Kambodscha für uns ein solcher Tag. Nicht etwa, weil wir den Tag allein in Kambodscha verbrachten, sondern weil wir Orte besuchten, an denen noch vor wenigen Jahrzehnten Menschen von den roten Khmern brutal ermodert worden waren.

Das meiste Blut // Der Geruch von Eisen in der Luft, auf dem Platz zwei tote Büffel, ein dritter, der auf sein unausweichliches Schicksal wartet. Der Boden dunkelrot gefärbt, überall Blut. Man will gar nicht hinsehen und tut es doch immer wieder. Das passiert also, wenn man sich einer völlig fremden Kultur annähern möchte. Ganz verstehen konnten wir die Toraja natürlich auch nach diesem Besuch noch nicht.

Das günstigste Zimmer // Im winzigen laotischen Dorf Ban Thalang zahlten wir in einem der zwei Gästehäuser vor Ort für einen Bungalow mit eigenem Badezimmer nicht einmal fünf Franken. Ohne Schnickschnack aber mit eigener Hängematte auf der Veranda.

Das teuerste Zimmer // Hongkong ist ein teures Pflaster. Für das winzige Zimmer in Kowloon legten wir 60 Franken hin. Gross bewegen konnten wir uns darin zwar nicht, aber, hey, immerhin gab es ein Fenster.

Das kleinste Zimmer // Ein Bett und ein Kleiderständer
mehr hatte in der Kartonbox, die wir in Kuala Lumpur für fünf Nächte unser Zuhause nannten, nicht Platz. Und wir haben gelernt: Mehr braucht es auch nicht.

Das grösste Einkaufszentrum // Der Gegensatz zu unserem Winzlingzimmer ist die absurd gigantische Berjaya Mall. Darin gibt es einen Freizeitpark. Mit Achterbahn.

Die unpraktischste Währung // Für einen Schweizer Franken bekommt man im Moment rund 22'774 Vietnamesische Dong. 50 Franken sind 1'138’705 Dong. Ganz easy, oder?

Der schönste Sonnenuntergang // Sonnenuntergänge sind ja nun besonders bezaubernd am Meer. Und den spektakulärsten, schönsten, bezauberndsten aller Sonnenuntergänge am Meer genossen wir auf Ko Jum in Thailand.


Der schönste Sonnenaufgang // Und nochmals, ohne Zweifel siehe die schönste Aussicht: die Vukane im Bromo-Tengger-Semeru-Nationalpark.

Das spektakulärste Naturereignis // Eigentlich sind es ja einfach blaue Flammen. Aber sie sind nur im Dunkel der Nacht im Krater des Ijen-Vulkans zu beobachten. Und das macht sie doch ganz schön spektakulär. Oder?

Die einfachste Sprache // Keine Deklination, keine Konjugation, keine Artikel, nicht einmal das Wort „sein“ existiert in der indonesischen und malaiischen Sprache. Aus orang („Mensch“) wird im Plural schlicht orang-orang. So konnten wir nach zwei Wochen Sprachkurs bereits einfache Unterhaltungen führen.

Die längste Zeit an einem Ort // Drei Wochen verbrachten wir in ein und der derselben Stadt: Yogyakarta. Es war schön, eine Art Zuhause ganz weit weg von der Heimat zu schaffen. Auch wenn die frühmorgendlichen Gesänge der vielen Muezzins um uns herum gewöhnungsbedürftig waren.

Der entspannteste Ort // Entspannung finden wir inzwischen schnell und ausführlich an vielen Orten. Manche davon sind aber von sich aus so entspannt, dass es schwierig wird, sie wieder zu verlassen. Bestes Beispiel: Don Det, eine der „4000 Inseln“ im Süden von Laos.

Die meisten Insekten// Auf Gili Air juckte mein ganzer Körper dank Moskitos, Quallen, Sandflöhen und
am allerschlimmsten Bettwanzen. Meine Haut sah aus wie eine Kraterlandschaft. Grrr!

Die grösste Enttäuschung // Warum genau schwärmen so viele Leute von den Gili-Inseln? Warum nur? Es gibt doch so viele schöne Inseln, gerade in Indonesien. Na gut, vielleicht sind wir auch einfach schon zu alt für Goapartys bis am frühen Morgen.

Die grösste Überraschung // Kambodscha! Das Land, das so viel Schreckliches hinter sich hat und so arm ist, hat uns ganz unerwartet vollkommen um den Finger gewickelt. Denn es ist ein Land voller Hoffnung und Herzlichkeit. Und
auch das völlig überraschend mit der durchgehend besten Internetverbindung unserer Reise.

Das stärkste Zittern // Im November 2014 schwankte unser Zimmer in Manado bedrohlich, als östlich der Stadt ein Beben der Stärke 7,3 die Erde erschütterte. Nach einem kurzen Moment der Angst ging glücklicherweise alles gut aus.

Die schönsten Begegnungen // Wir dürfen auf schöne Begegnungen
in jedem einzelnen Land zurückblicken, sei es mit Einheimischen, mit Aussteigern oder mit anderen Reisenden. In besonderer Erinnerung bleibt die Zugfahrt von Yogyakarta nach Probollingo: In gebrochenem Indonesisch unterhielten wir uns mit der Grossfamilie in unserem Abteil, die zu einer Hochzeit nach Banyuwangi unterwegs war. Wir lachten mit ihnen und assen mit ihnen. Denn dreimal verköstigten sie uns auf der neunstündigen Fahrt mit selbstgemachtem Essen. Allein für diese Begegnung hat sich unser Kurs in Bahasa Indonesia gelohnt.

Kommentare:

  1. Das hört sich wunderschön an. Eine Region voller Superlative ist ja das größte Kompliment, dass eine Destination bekommen kann :)

    AntwortenLöschen
  2. Ich wünsche euch weiterhin ganz viele tolle Momente!!
    Auch wenn ich nicht immer etwas Text hinterlasse, lese ich alles und bin immer wieder aufs neue gespannt auf neue Episoden im Blog.

    M. Ae

    AntwortenLöschen
  3. …eine unterhaltsame Zusammenfassung zu einer traumhaften Reise…
    Um die Tauchgänge in Bunaken beneide ich Euch.

    AntwortenLöschen

· Alle Texte und Bilder von Ramona und Samir · © 2014/2015 · Powered by Blogger ·