16. Oktober 2015

Bilderbuchmomente in Peru

Immer wieder auf dieser Reise gibt es Augenblicke, die uns ob ihrer Schönheit und Anmut die Sprache rauben. Meist haben wir sie uns körperlich hart erarbeitet. Wie in Peru: In Huaraz belohnt uns der Anblick der Laguna 69 vor der Andenkulisse, in Llahuar das Bad in den wahrscheinlich schönsten Thermalquellen der Welt.

Fast ein Jahr nach dem grandiosen Ausblick über die Vulkane in Ostjava rührt mich in Peru erneut eine Naturschönheit zu Tränen: die türkisblau schimmernde Laguna 69, die sich uns nach einem anstrengenden Aufstieg in der Cordillera Blanca auf 4600 Meter offenbart.

Huaraz & die Laguna 69

Wir wollen mal wieder keine Tour machen und buchen deshalb über unser Hostel nur den Transport in den Nationalpark Huascarán. Um halb sieben werden wir eine halbe Stunde zu spät abgeholt nicht lustig bei dieser Saukälte frühmorgens und um etwa halb zehn wandern wir bei strahlendem Sonnenschein los. Die Wanderung beginnt auf 3800 Höhenmetern. Erstaunlich leicht fallen uns die ersten zwei Stunden. Der Weg ist angenehm, nicht zu steil, und sowieso sind wir von der Umgebung abgelenkt. Wir blicken auf die spitzen, schneebedeckten 6000er, auf die in den Tälern eingebetteten Seen und Wiesen, auf Kühe, Esel und Pferde. Wie in einem Märchen oder in der Kulisse eines Fantasyfilms kommen wir uns vor. Wäre in diesem Moment eine Elfe um uns herumgeschwirrt oder ein Troll hinter einem Stein hervorgekrochen es hätte uns nicht erstaunt.

Wir machen eine Pause vor dem letzten Stück. Noch 200 Höhenmeter fehlen bis zur Lagune auf 4600 Meter. Diese jedoch haben es in sich: Das Herz pocht wie wild, irgendetwas Schweres scheint uns auf die Brust zu drücken, Samir schmerzt der Kopf und das Atmen fällt uns beiden so schwer, dass wir gefühlt alle 30 Sekunden eine Pause einlegen müssen. Wir kreuzen den Weg mit einem argentinischen Paar, die Frau flucht lautstark vor sich hin. Eine Stunde brauchen wir für dieses letzte Stück Weg. Und vielleicht ist es die Anstrengung, die urplötzlich wegfällt, als wir oben ankommen, gepaart mit dem unbeschreiblichen Türkisblau der Lagune und den Bergen, die wie ihre Beschützer hinter ihr emporragen jedenfalls ist der Anblick überwältigend. Wir setzen uns ans Ufer und staunen. Ein paar Mal sehen und vor allem hören wir, wie Gerölllawinen die steilen Abhänge hinunterstürzen. Es ist einer dieser Reisemomente, die man gern einfrieren möchte in seinem Gehirn, damit man sie nie, nie mehr vergisst. Es ist einer dieser Momente, die uns auch nach über einem Jahr unterwegs noch die Sprache rauben. Und es ist einer dieser Momente, die uns immer wieder vor Augen führen, warum wir überhaupt auf dieser Reise sind.


Arequipa & der Colca Canyon

Ein bisschen später und ein bisschen weiter südlich machen wir dann ein bisschen eine längere Wanderung: Vom hübschen Arequipa aus tuckern wir viel zu früh am Morgen ins sechs Stunden entfernte Cabanaconde, den Ausgangspunkt für unsere dreitägige Tour durch den Colca Canyon. Die Reisegruppen gehen allesamt nach rechts wir machen das Gegenteil und folgen dem hölzernen Wegweiser nach Llahuar, einem kleinen Ort unten in der Schlucht. Auf diesem Weg sind wir fast allein. Ein paar Minuten nach dem Start gesellen sich drei Kondore zu uns. Unverkennbar drehen die riesigen Vögel ruhig und gemächlich ihre Runden im strahlend blauen Himmel über uns. 

Über drei Stunden gehen wir bergab in den Canyon hinein stets im Wissen, all die Höhenmeter am Ende auch wieder bergauf gehen zu müssen. Der Abstieg ist nicht leicht. Es geht über Geröll, das sich immer wieder löst, und einmal hangeln wir uns einen Abhang entlang, bei dem ein einziger falscher Tritt ein übles Nachspiel hätte fast senkrecht geht es auf der rechten Seite hinunter. Das Dorf unten in der Schlucht wird nur langsam grösser und die Strasse, die immer so nah erscheint, erreichen wir doch erst nach einer gefühlten Ewigkeit. Unten auf der Brücke bleiben wir stehen: Über uns die strahlende Sonne, links und rechts ragen die Berge in die Höhe, vor uns liegt der glitzernd blaue Fluss.

Als wir in Llahuar ankommen, knurrt der Magen und zittern die Knie. Und dann die Belohnung: In der nachmittäglichen Sonne setzen wir uns
ganz allein ins heisse Thermalbad am Fluss. Was das warme, klare Quellwasser für unsere müden Muskeln ist, das ist der Ausblick auf den Fluss, der sich durch den Canyon schlängelt, für unsere Seele. Wie schön! Wir sind zufrieden.

Erholt gehen wir die beiden folgenden Wandertage an. Und selbst die über 1000 Höhenmeter zurück nach Cabanaconde, die wir am dritten Tag morgens um fünf Uhr in Angriff nehmen, sind am Ende gar nicht so schlimm. Erst recht nicht, wenn als Begleitung eine Aussicht wie im Bilderbuch lockt.




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